ALPHAWÖLFE.

Steph Burlefinger & Ellinor Amini 2024

Tusche und Acrylzeichnungen mit Spitze collagiert auf Leinwand

„Der Chef im Ring: Woran man einen Alpha-Mann erkennt“

„SO wirst du zum Alpha Mann, dem Frauen hinterherlaufen …“
“We believe that the current environment we are living in is stopping us from fulfilling our potential.”

Der neue Trend der Alpha Männer hat in der letzten Zeit das Internet überschwemmt. Mit Coaches und Retreats sollen Männer lernen, echte „Alphas“ zu werden. Das geht durch „brotherhood“, rohes Fleisch, Sport, Kämpfe und ganz wichtig: überhebliche Prahlerei mit Statussymbolen plus Frauen degradieren und in patriarchale Strukturen pressen. Auch viele sogenannte (selbsternannte) Flirt Coaches wollen mit ihren sexistischen und teils übergriffigen Anmachsprüchen Männer wieder ins letzte Jahrhundert katapultieren.

Verbale Übergriffe sind mir (Ellinor Amini) in meinem Leben schon häufig passiert, denn wie kann ich es wagen mir die Haare kurz zu schneiden, Feministin zu sein oder Kunst zu machen, die mir gefällt? Viele Männer haben durch ihre eigenen Unsicherheiten viel Meinung aber nur wenig Ahnung und schon gar keine Sensibilität für Sexismus. Sie haben immer etwas „mansplaining“ und ungefragte Ratschläge parat, mit denen sie ihre Dominanz zeigen wollen, sie wissen generell alles besser und wollen über dein Aussehen, deinen Körper und deine Freiheit entscheiden, womit sie einer Frau Chancen und Möglichkeiten verwehren.

Das ist sehr traurig, aber in all der Traurigkeit auch sehr lustig. Und so habe ich all die wilden Sätze gesammelt, die Männer im Laufe meines Lebens zu mir gesagt haben und die wunderbare Steph Burlefinger hat die Männer als Alpha Wölfe portraitiert. Allerdings aus der Perspektive von uns Frauen, nämlich wie kleine Comicfiguren ohne Selbstbewusstsein, welche mit viel Hass ihre Unsicherheiten, mit eingeklemmten Schwanz und gefletschten Zähnen, in die Welt hinausposaunen – einfach nur lächerlich….

Gebettet auf einem zarten Rosa und umrahmt von der Spitze meiner Großmutter drehen wir den Spieß um, gestalten diese Übergriffe und zeigen sie der Öffentlichkeit, um awareness zu schaffen und zu zeigen, dass Worte Macht haben und verletzen können. Wie Männer mit ihren Jagdtrophäen posieren, können das nun Frauen ebenso mit Alphawölfen an der Wand.

Lustigerweise war die Farbe Rosa im westlichen Kulturkreis Jahrhunderte lang das „kleine Rot“ für Jungen, weil Rot die Farbe der Männlichkeit war. Mädchen kleidete man dagegen in blau, was auch die Jungfrau Maria trug, denn sie war die wertvollste und teuerste aller Farben (aus Lapislazuli) und stellte die Reinheit dar. Diese gesellschaftliche Norm änderte sich erst durch den Nationalsozialismus, wozu es verschiede Theorien gibt. Spätestens als dann 1959 die erste Barbiepuppe in knallpinker Verpackung in den Geschäften stand war klar, dass Pink nun die „Mädchenfarbe“ war. Dieses binäre „Schubladendenken“ wird nun Schritt für Schritt aufgebrochen und jeder von uns kann Teil davon sein.

Aber was macht denn nun so ein Alphawolf in der freien Wildbahn wirklich?

Für die in Deutschland vorkommenden Wölfe kann man sagen: ein Wolfsrudel gleicht einer Familie. Die meisten Rudel bestehen aus einem Elternpaar und ihren Nachkommen. Das Elternpaar bleibt meist ein Leben lang zusammen und führt das Rudel an. Nur sie paaren sich und bekommen Nachwuchs. Die Jungtiere aus dem Vorjahr sind die Jährlinge oder auch „Jugendlichen“. Diese sind noch nicht geschlechtsreif, bleiben beim Rudel und helfen bei der Aufzucht der diesjährigen Welpen. Sie bringen mit Beute heran oder bleiben als „Babysitter“ bei den Welpen. Das Elternpaar führt die Jährlinge und die Welpen und gibt seine Erfahrungen an die Jungtiere weiter. Die Welpen haben nach 8 Monaten fast schon die Größe erwachsener Wölfe. Dies ist die Zeit, in der das Rudel am größten ist.

Die Jährlinge werden zunehmend selbstständig und unternehmen Ausflüge innerhalb und außerhalb des elterlichen Territoriums, bis sie meist im Alter von 1-2 Jahren endgültig abwandern, um ein eigenes Rudel zu gründen. Die Größe des Rudels schwankt somit im Jahresverlauf meist zwischen 5 und 10 Wölfen. Die Schwankung der Rudelstärke wird durch die Geburt der Welpen, das Abwandern der Jährlinge und durch Todesfälle beeinflusst. Unter bestimmten Bedingungen können auch fremde Wölfe in das Rudel integriert werden.

Eine oftmals zitierte Rangfolge mit den „Alphatieren“ und einem „Omegawolf“ am unteren Ende der Hierarchie existiert bei den in Deutschland vorkommenden Wölfen aufgrund der Rudelstruktur bzw. Familienstruktur nicht. In anderen Ländern (z.B. Kanada) gibt es größere Wolfsrudel. Die Größe der Rudel richtet sich nach den vorhandenen Beutetieren, bei größeren Beutetieren werden auch die Wolfsrudel größer. Eine Hierarchie unter Wölfen entsteht nur, wenn mehrere geschlechtsreife Tiere zusammen leben. Um die dabei entstehenden Spannungen zu minimieren, bilden sich feste Rangordnungen. Viele Verhaltensbeobachtungen stammen von Tieren aus Gehegen, bei den sich aus genannten Gründen ebenfalls eine Hierarchie ausbildet. Bei freilebenden Wölfen in Deutschland wandern die geschlechtsreifen Tiere ab, so kommt es gar nicht erst zu Rangordnungskämpfen. Auf der Suche nach einem neuen Revier können Wölfe weite Strecken zurücklegen. Ein besendeter Wolf aus Deutschland wanderte 2009 innerhalb weniger Monate bis nach Weißrussland.

Ein Rudel besetzt ein Territorium, welches mittels Duftmarken (Kot, Urin), Sichtmarken (Kot, Scharrstellen) und Heulen markiert wird. Wölfe wählen ihr Territorium immer groß genug, so dass die Beutetiere ausreichen, um die Ernährung des Rudels langfristig zu gewährleisten. Je höher die Beutetierdichte in einem Gebiet, desto kleiner ist in der Regel das Wolfsterritorium. In Mitteleuropa sind Reviergrößen von 150-350 km² Größe bekannt. In der Lausitz beträgt die Wolfsdichte ca. 3 Wölfe/ 100 km² (2000-2009).

Unsere Sicht auf Wölfe wird auch von Bildern der amerikanischen Wölfe geprägt. Im nordamerikanischen Nationalpark Yellowstone ist die Rudelstruktur der Wölfe komplexer als in den meisten anderen Wolfspopulationen. Hier existiert ein Überschuss an Nahrungstieren. Die Jungtiere wandern hier erst mit 2-3 Jahren ab, nicht wie sonst mit 1-2 Jahren. Dadurch sind die Wolfsrudel größer und umfassen mehr erwachsene Tiere als sonst meistens üblich. Hier werden neben der Mutterwölfin auch Töchter geschlechtsreif, die dann alle im selben Jahr gedeckt werden, die Töchter meistens von rudelfremden Rüden.

Quelle: www.wolfsinfozentrum.de